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Ursprünglich war ich die letzten Tage in der Schweiz, um gezielt an meiner Berglauftechnik zu arbeiten und über das Trailrunning in Davos zu berichten. Anschließend wollte ich zwei Tage privat Urlaub machen. Dass sich dann noch eine E-MTB Tour eingeschlichen hatte, war zwar absolut nicht geplant, aber im Nachhinhein richtig gut. Das Crosstraining wirkte sich äußerst positiv auf meine Leistung aus.

Ich erlebte eines meiner besten “runner’s highs” seit sehr langer Zeit. Gott, Ihr wisst gar nicht, wie ich das vermisst hatte! Aus mir sprudelten die Endorphine nur so heraus, so dass ich am Ende Freudentränen in den Augen hatte. Das meine Lieben, ist genau der Grund, warum ich so unendlich gerne laufe. Nirgends fühle ich mich freier, bin mehr bei mir, im Einklang mit mir selbst und mit der Natur. An dieser Stelle auch nochmals ganz lieben Dank an Model und Athletin Gela Allmann, die mir mit dem Interview noch die letzte Portion Motivation verpasst hat!

Trailrunning in Davos

Seit meiner Jugend liebe ich es, zu laufen – vor allem Langstrecke. Asphalt bin ich aber nie wirklich gelaufen. Auch wenn ich jetzt beruflich unterwegs bin, habe ich immer ein Paar Laufschuhe dabei und suche mir dann einen Ort in der Natur, wo ich joggen kann.

Über die letzten Jahre hat sich Trailrunning als Laufsport-Trend für Bergliebhaber durchgesetzt. Immer mehr Läufer lassen den Asphalt hinter sich und suchen ihr Glück im Gelände. Oftmals abseits von gängigen Pfaden. Dabei steht die Natur im Vordergrund.

Trailrunner profitieren in Davos Klosters nicht nur von abwechslungsreichen Laufrouten, sondern vor allem auch vom Höhentraining.

Wirkung von Höhentraining

Der Grund für die leistungssteigernde Wirkung von Höhentrainings ist einfach zu erklären: Durch den in Höhenlagen herrschenden Sauerstoffmangel wird der menschliche Organismus gezwungen, sich anzupassen. Betroffen davon sind in erster Linie die Atmung, das Herz-Kreislauf-System und das Blut. Dabei geht der Anpassungsprozess auf zwei Ebenen vor sich. Um den Organismus trotz des verminderten atmosphärischen Sauerstoffdrucks mit genügend Sauerstoff zu versorgen, werden Atmung, Herz-Kreislauf und Blut aktiviert.

Eine gewisse Bedeutung kommt dabei der Vermehrung der roten Blutkörperchen zu. Zusätzlich ändern die Zellen ihre Funktionsweise und produzieren mehr Energie auf anaerobem Weg, d.h. ohne Verwendung von Luftsauerstoff. Für die Sportler heisst dies, dass allein schon der Aufenthalt in der Höhe einen leichten Trainingseffekt darstellt. Ideal ist der Bereich zwischen 1500 und 2200 m ü. M. Die in der Höhe durchgeführten Trainingseinheiten entfalten eine intensivere Wirkung als jene auf dem Flachland.

Daher ist es auch für mich das ideale Trainings-Terrain und mit ein Grund, warum ich über die nächsten Monate häufiger vor Ort sein werde. Am 9. und 10. Juni werde ich nochmals verstärkt an meiner Lauftechnik in Davos arbeiten, um dann Ende des Monats entscheiden zu können, ob ich fit für einen anstehenden Wettbewerb in der Schweiz bin oder nicht.

Trailrunning Spots in Davos

Davos ist so unglaublich vielseitig und abwechslungsreich, dass ich in der kurzen Zeit nur einen Bruchteil ausprobieren konnte – wenn überhaupt. Trotzdem möchte ich Euch drei Routen vorstellen, die ich gelaufen bin.

Davos Platz – Schatzalp – Strelapass

Diese Tour habe ich am ersten Tag gemacht, um mich zu akklimatisieren. Mein Hotel war in Davos Platz. Von dort führt direkt ein Wanderweg hoch zur Schatzalp – gemütlich zwischen Bäumen, so dass man ihn langsam hochlaufen kann. Oben auf der Schatzalp habe ich dann noch den Wasserfall-Rundgang mitgenommen, um ein bisschen an meiner Technik zu arbeiten. Außerdem war es sehr heiß, weshalb ich gerne etwas Schatten gesucht habe, bevor ich rauf auf den Strelapass (2.350 Höhenmeter) bin.

Leider zog ein Gewitter auf, so dass ich meinen Lauf abbrechen musste und sehr schnell ins Tal runter rannte. Oben alleine bei Gewitter auf dem Berg ist nicht ungefährlich. Wie lange ich insgesamt unterwegs war, kann ich gar nicht mehr genau sagen – gefühlt den Nachmittag. Abends im Hotel war ich dann noch Schwimmen, um die Muskulatur zu entspannen und machte einen Saunagang. Ein entspannter erster Tag in Davos.

Jakobshorn

Tja, was soll ich sagen. Geplant war das eigentlich nicht. Manchmal bin ich einfach bekloppt. Von jetzt auf gleich überkommt mich ein spontaner Einfall und dann wird es entweder MEGA oder einfach nur abenteuerlich. Kommt bei mir in der Tat häufiger vor. Ich bin in ein Bed & Breakfast gewechselt, was bei Trailrunnern wohl sehr beliebt ist.

An sich liebe ich B&Bs – den ganzen Luxus brauche ich nicht. Aber ich bin ehrlich: Das war jetzt nicht so meins. Viel zu hellhörig, ein bisschen zu privat und die Matratze war auch viel zu hart für mich. Deswegen verzichte ich an dieser Stelle auf einen Bericht.

Wie dem auch sei. Vom Davoser See wollte ich ursprünglich auf die Stafelalp – ganz entspannt. Aber als ich dann auf einmal den Wegweiser zum Jakobshorn sah, hat es mich gepackt. Denn im Februar hatte ich mich so geärgert, dass es zeitlich und wetterbedingt nicht mehr gereicht hatte, so dass ich spontan abgebogen bin. Einer meiner “grandiosen” spontanen Einfälle. So bin ich mal eben am Nachmittag aufs Jakobshorn, auf über 2.500 Höhenmeter gerannt. Teilweise war es schon sehr steil und echt nicht ohne. Von der Mittelstation bis auf die Spitze war es richtig hart.

Kennt Ihr den Moment, wenn Eure Oberschenkel brennen, Ihr leichte Schmerzen verspürt und dann an den Punkt kommt, wo es nur noch genial wird? So erging es mir an diesem Tag. Unten im Tal war ich richtig “high”. Ich hatte Tränen in den Augen, war unglaublich glücklich, hätte die ganze Welt umarmen können. So stolz war ich – ein MEGA Lauf. Und das Beste: keine Schmerzen, die Hüfte hat nicht gezickt, kein großer Muskelkater danach. Ich war wirklich im siebten Himmel und hab für den Rest des Abends nur noch gegrinst.

Dischmatal

Hier hatte ich am Abend zuvor eine coole Bike-Tour gemacht. Da ich diesen einen magischen Moment dort hatte, reizte es mich am nächsten Morgen, die Strecke noch einmal zu laufen. Für mich ideal, um an meiner Technik zu feilen und einfach etwas entspannt auszulaufen, den Moment vom Vorabend noch einmal zu verinnerlichen und Energie zu tanken.

Das Dischmatal an sich hat mir deutlich besser gefallen als das Sertig. Da möchte ich auf jeden Fall noch einmal hin, wenn das Wetter etwas besser ist. Für mich war es eine riesige Energiequelle, die ich einfach nur aufgesogen habe.

Tipps für Trailrunning Einsteiger

1. Zwischendurch gehen: Profi-Bergläufer spurten die steilsten Anstiege hoch? Nein. Bei einem kurzen Bergsprint ist das zwar der Fall, aber auf längeren Strecken keineswegs. Spart Eure Energie und geht zwischendurch einfach mal nur zügig. Das Erstaunliche: Damit ist man kaum langsamer als im Laufschritt. Mir hilft es jedenfalls sehr, so mit meinen Kräften zu haushalten.

2. Habt einfach Spaß: Trailrunning ist ein spielerischer Sport. Habt Spaß, lasst das innere Kind raus, springt durch Pfützen, hüpft über Steine, variiert das Tempo.

3. Bewusst erleben: Trailrunning ist deshalb so faszinierend, weil es ein Naturerlebnis ist. Befreit Euch vom starren Durchrenn-Modus: Bleibt auch mal stehen und geniesst die Natur oder macht ein Selfie vor der magischen Bergkulisse.

4. Lauft konzentriert: Trailrunning fordert nicht nur die Muskulatur, sondern auch den Geist. Hebt die Füsse höher als auf der Straße, seid flexibel, spontan und konzentriert. Das kostet zwar etwas mehr Kraft, aber wenn man dann mal im Flow ist – eins mit sich selbst und der Natur –, ist das einfach nur ein unbeschreiblich gutes Gefühl.

5. Kleine Schritte!!! Bergauf werden die Schritte kürzer, die Schrittfrequenz höher, die Armarbeit intensiver. Bringt Euren Oberkörper etwas nach vorne und lauft auf dem Vorfuß. Ich hab genau das gerade am ersten Tag in der Schweiz nochmals trainiert und es spart enorm viel Energie, wenn man hier die richtige Technik hat. Und abwärts gilt: Drosselt das Tempo, wenn es steil wird und legt ruhig einmal Serpentinen ein. Wichtig: Bleibt dabei weich in den Knien.Hier hilft ergänzend auch gutes Krafttraining. Vor allem die Oberschenkel- und Rumpfmuskulatur solltet Ihr gut trainieren. Ich selbst merke, dass meine Leistung besser wird, wenn ich regelmäßiges Krafttraining mache.

6. Ausrüstung: weniger ist mehr: Kauft Euch SEHR gute Laufschuhe. Diese schaffen die Gratwanderung zwischen Stabilität, Flexibilität und Leichtigkeit. Und lasst bitte den schweren Wanderrucksack daheim. Nehmt nur das Wichtigste mit: Regenjacke, Handy, ein Energieriegel und genügend Wasser – denn die Runden können auch mal länger ausfallen als erwartet.

So, und jetzt raus in die Natur und einfach mal nur genießen und Spaß haben!

xoxo
photo credits: V’s World

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English Summary: Trail Running in Davos

I have been running since I was 15 years old. Running is my little addiction, being out there appreciating mother nature, experiencing total freedom. Over the past few years, trail running has become the new running trend for lovers of the mountains. More and more runners are leaving the roads behind and heading off cross-country, often well away from popular tracks.

Their focus is on nature, enjoying the panoramic views, at the same time benefiting from the bracing high-alpine climate.

Effects of high altitude training in Davos

The reason for the performance-enhancing effect of high altitude training is easily explained: As a result of the oxygen deficiency experienced at high altitude, the human organisms are forced to adapt. Primarily affected are respiration, the cardiovascular system and the blood. The adjustment process takes place on two levels. In order to supply the organisms with sufficient oxygen despite the reduced atmospheric oxygen pressure, respiration, the cardiovascular system and the blood are activated.

To a certain extent this also results in an increase in the red blood cell count. Additionally, the function of the cells changes and they produce more energy in an anaerobic manner, i.e. without the use of atmospheric oxygen. For sports participants, this means that even staying at high altitude has a slight training effect. An altitude range of between 1500 and 2200 m above sea level is optimum. Training activities carried out at this height have a more intense effect than those carried out at sea level.

And this is just another reason why I will be spending much more time in Davos over the next months, getting fit.Last week I primarily worked on my running technique and tried different trail running routes, getting back in shape. These are three tours I can recommend: Davos Platz – Schatzalp – Strelapass; Jakobshorn and Dischmatal.